ITALIEN: ELTERN KLETTERN UNGESICHERT AUF KLETTERSTEIG DURCH DIE DOLOMITEN – MIT KLEINKIND AUF DEM ARM

Ein Video aus Italien sorgt für Empörung: Ein Mann und eine Frau klettern durch eine steile Bergpassage. Ungesichert, an steilen Abhängen entlang. Zusammen mit kleinen Kindern.

Die Hänge sind steil, die Felsen schroff – deshalb ist Klettern rund um den Cima dell Uomo (3010 Meter Höhe) in den italienischen Dolomiten auch nur etwas für erfahrene Bergsteiger und Bergsteigerinnen. Mit Kleinkindern auf die anspruchsvollen Routen zu gehen, halten Expertinnen und Experten für lebensgefährlich. Und doch hat ein Ehepaar in den Bergen des Val di Fassa nun genau das getan: Auf einem Video, das derzeit in italienischen sozialen Netzwerken viral geht, ist zu sehen, wie ein Mann und eine Frau ungesichert durch die Ferrata Bepi Zac klettern. Mit zwei Kindern, eines davon ist ein Kleinkind.

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Der Klettersteig ist eine mittelschwere Route der Kategorie C/D. Für ihre Begehung werden ein komplettes Klettersteigset inklusive Klettergurt, Karabiner, Helm und zum Teil sogar Sicherungsseile empfohlen. Die Familie, die von anderen Wanderern gefilmt wurde, hatte jedoch nichts davon dabei.

Ohne Bergsteigerausrüstung mit Kindern an steiler Felswand entlang

Auf dem Video, das die italienische Seite »Noi Soccoritori« (deutsch: »Wir Retter«) auf Facebook hochgeladen hat, ist zu sehen, wie eine Frau zunächst einem Jungen in Turnschuhen dabei hilft, an einer Felswand entlangzuklettern. Seine einzige »Absicherung« ist dabei ein in den Berg getriebenes Stahlseil, an dem sich das Kind entlanghangelt. Unter ihm: ein steiler Abhang.

Eine weitere Szene des Videos zeigt einen Mann mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm, der auf dem schmalen Bergpfad entlangläuft. Auch er trägt keine Bergsteigerschuhe oder andere Sicherungsausrüstung, auch das Kleinkind ist nicht gesichert, sondern sitzt seitlich auf der Hüfte des Mannes.

»Sie dürfen keine Angst oder Scham haben, aufzugeben und umzukehren«

Das Video hat landesweit Entsetzen und Empörung ausgelöst. Maurizio Dellantonio, der Präsident der italienischen Bergrettung, sprach gegenüber der lokalen Onlinezeitung »Il Dolomiti« von einem Vorfall »an der Grenze zum Verbrechen«. Er hoffe, »dass keine Anzeigen eingereicht werden, aber auch, dass diese Angelegenheit generell ein Lehrstück dafür sein kann, wie wichtig Besonnenheit und Vorbereitung sind«. Christian Ferrari vom Alpenverein »Società Alpinisti Tridentini« ergänzte, dass die Eltern »solch ein Risiko« eingegangen seien, könne man »nicht rechtfertigen«.

Der Bepi Zac sei »kein banaler Klettersteig und einige Passagen sind komplex«, so Dellantonio weiter. »Ich hoffe, dass die Person, die das Video gedreht hat, auch Unterstützung geleistet hat.« Zwar sei es richtig und wichtig, rechtzeitig professionelle Hilfe zu rufen, wenn man sich am Berg unsicher oder in Gefahr fühle. »Aber Sie müssen schon gesunden Menschenverstand haben. Denn ein Team oder ein Hubschrauber, der eingesetzt wird, um eine Person in Sandalen zu bergen, kann nicht woanders eingreifen, wo vielleicht ein schwerwiegenderer Unfall ist, der rechtzeitiges Eintreffen erfordert.«

Im Fall der kletternden Eltern im Fassatal sei »zum Glück nichts passiert«, schrieb »Il Dolomiti«. Aber es herrsche »leider immer mehr die Haltung vor, das Risiko zu unterschätzen«, sagte Walter Cainelli der Onlinezeitung. Er ist Präsident der Trentiner Bergrettung, in dessen Zuständigkeitsbereich die Cima dell Uomo liegt. »Wir betonen noch einmal, wie wichtig es ist, einen Ausflug sorgfältig vorzubereiten«, so Cainelli weiter. Dazu zähle etwa das Checken der Wettervorhersage, das Organisieren der richtigen Ausrüstung und die Planung der Route. Sollte man unterwegs den Mut oder die Kraft verlieren, riet Cainelli: »Sie dürfen keine Angst oder Scham haben, aufzugeben und umzukehren.«

2024-07-09T11:59:20Z dg43tfdfdgfd