„ARROGANT UND UNIFORMIERT“ – MINISTERIN SCHIMPFT üBER KRITIK AN FEMINISTISCHER ENTWICKLUNGSPOLITIK

Schulze im Interview

„Arrogant und uniformiert“ – Ministerin schimpft über Kritik an feministischer Entwicklungspolitik

Ministerin Svenja Schulze (SPD) wirbt dafür, dass Männer sich engagierter für Feminismus einsetzen. „Das Land braucht Männer, die für Frauenrechte kämpfen.“

Berlin – Wenn es um Frauenrechte geht, hat sich die Ampelkoalition viel vorgenommen. „Unsere Maxime ist eine freie Gesellschaft, in der die Gleichstellung von Frauen und Männern verwirklicht ist“, hielten SPD, Grüne und FDP in ihrem Koalitionsvertrag fest. So wollen sie etwa gemeinsam „verhindern, dass Minijobs zur Teilzeitfalle für Frauen werden“. Die Gleichstellung von Frauen und Männern müsse „in diesem Jahrzehnt erreicht werden“. Auch global gesehen gilt der Anspruch, die Rechte, Repräsentanz und Ressourcen von Frauen und Mädchen zu stärken.

Über den feministischen Ansatz der Ampel spottet inzwischen nicht einmal mehr Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU). Dafür ist das Thema längst zu wichtig geworden. Trotzdem steht Deutschland bei der Gleichstellung von Männern und Frauen noch weit am Anfang. „Ich glaube, Olaf Scholz ist der erste Kanzler, der erklärt hat, dass er Feminist ist“, sagte Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) in einem Gespräch mit IPPEN.MEDIA. „Wir haben in Deutschland lange gebraucht, um unserem eigenen Anspruch gerecht zu werden und Männer und Frauen juristisch gleichzustellen.“

Schulze ist für eine feministische Entwicklungspolitik angetreten

Schulze nannte zwei historische Eckpunkte. „Frauen dürfen hier erst seit den 1960er Jahren ein eigenes Konto führen. Das Gesetz, das Vergewaltigung in der Ehe zu einer Straftat erklärt, trat erst 1997 in Kraft“, sagte die SPD-Politikerin. Aus ihrer Sicht sollten gerade in Deutschland mehr Männer für Frauenrechte eintreten. „Das Land braucht Männer, die bei diesem Kampf mithelfen“, ermutigte sie: „Es macht unsere Gesellschaft nicht nur gerechter, sondern vor allem auch besser, wenn Männer und Frauen wirklich gleichgestellt sind.“

Schulze ist seit 2021 Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In der Ampel-Koalition ist sie für eine feministische Entwicklungspolitik angetreten. Sind Frauen eher geeignet, Konflikte in der Welt zu lösen? „Die Forschungsergebnisse sind in dieser Frage eindeutig“, erklärte sie: „Wenn bei der Lösung von Konflikten die Perspektive der einen Hälfte der Bevölkerung fehlt, stehen die Lösungen auf wackeligen Beinen.“ Ermutigende Beispiele gebe es dazu unter anderem in Kolumbien, wo man sehr genau darauf geachtet habe, dass Frauen an den Friedensgesprächen beteiligt sind.

Es werde häufig so getan, „als hätten wir die Gleichberechtigung erfunden“

Obwohl inzwischen auch CDU-Chef Merz die Bedeutung des Themas erkannt hat, fühlen sich nach den Worten der Ministerin einige Menschen noch immer vom Begriff Feminismus provoziert. „Es wird in Deutschland oft so getan, als hätten wir die Gleichberechtigung erfunden und würden anderen Ländern etwas aufdrücken, das gar nicht ihrer Kultur entspricht“, sagte Schulze. „Ich finde das arrogant und uninformiert.“ Es gebe überall auf der Welt lebendige Frauenbewegungen. „Meine grundsätzliche Haltung für die Zusammenarbeit ist: weniger Zeigefinger und mehr ausgestreckte Hand.“

2024-07-09T15:18:03Z dg43tfdfdgfd