NEUER WIRT IM TRADITIONSLOKAL: „WIR BLEIBEN EIN BAYERISCHES WIRTSHAUS“

Gastronomie

Neuer Wirt im Traditionslokal: „Wir bleiben ein bayerisches Wirtshaus“

Die Traditionsgaststätte „Oberer Wirt“ im Gilchinger Altdorf bekommt neue Wirtsleute. Michael und Tina Jakob-Widmann steigen aus.

Gilching - Die Nachricht kam sowohl für Gäste als auch für Mitarbeiter überraschend: Michael Jakob-Widmann (41) steigt als Wirt beim „Gasthof Widmann Oberer Wirt“ im Gilchinger Altdorf aus. Die Traditions-Wirtschaft hat er zum 29. August an die Augustiner-Brauerei verpachtet. Neuer Wirt an der Schulstraße wird der 30 Jahre alte Philipp Do, der über langjährige gastronomische Erfahrung verfügt. Er verspricht: „Wir bleiben ein bayerisches Wirtshaus.“

Gastronom verabschiedet sich schweren Herzens

„Abschied ist schwer, aber Veränderung ist Teil des Lebens“, steht auf einem Flyer, den Tina und Michael Jakob-Widmann seit Donnerstag ihren Gästen in die Hand drücken. Am Donnerstagabend hatten sie zudem die Gruppen und Vereine eingeladen, die dem Wirtshaus seit Jahrzehnten die Treue halten. „Es war mir wichtig, meinen Ausstieg persönlich bekannt zu geben“, erklärt der scheidende Gastronom im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Zu seinen Beweggründen wollte er sich aber nicht äußern.

Mit dabei am Donnerstag war auch Philipp Do. „Erst waren wir ja geschockt, als wir hörten, unser Michi hört auf“, sagt Roland Schrafstetter, Mitglied des CSU-Stammtisches. „Als dann aber der neue Wirt versprach, es bleibt alles wie gehabt, haben wir ihn herzlich willkommen geheißen.“ Gegen ein paar Neuerungen sei er aber nicht abgeneigt, sollten diese interessante Aspekte beinhalten.

Neuer Wirt hat vietnamesische Wurzeln

Do ist in Fürstenfeldbruck geboren und entstammt einer Gastronomen-Familie, mit der er zusammen die vergangenen vier Jahre das Bürgerhaus in Emmering „in guter bayerischer Wirtshaus-Manier“ führte. „Ähnlich wie im Oberen Wirt gibt es bei uns in Emmering auch eine Heimatbühne und externe Veranstaltungen wie Konzerte, aber auch Familienfeiern. Und mein Papa Binh Do kocht wesentlich besser bayerische Gerichte als dass er vietnamesisch kochen könnte. Deshalb freue ich mich jetzt auch auf die neue Herausforderung und werde alles tun, die Gäste im Oberen Wirt in gewohnter Art des Hauses weiter zufriedenzustellen.“ Er werde auch das gesamte Personal übernehmen – „vorausgesetzt, sie wollen bleiben“, betont Do.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Starnberg-Newsletter.)

Seit 160 Jahren in Familienbesitz

Der „Gasthof Widmann Oberer Wirt“ an der Schulstraße in Gilching hat eine lange Tradition. Im Jahr 1864 kaufte Peter Widmann aus Welshofen bei Dachau den Gasthof. Bis dahin war in dem Gebäude eine Kramerei untergebracht, daneben befand sich die Dorfschmiede. Widmann eröffnete erst zwei Jahre nach dem Kauf und einigen Umbauten eine Gast- und Tafernwirtschaft mit Fremdenstallung. Bis 1880 führte am Oberen Wirt die Verbindungsstraße zwischen Starnberg und Hoflach vorbei.

Am 27. Dezember 1927 fiel das Gebäude einer Brandstiftung zum Opfer und brannte vollständig nieder, die Wiedereröffnung folgte am 1. August 1928. Nach dem Krieg bewirtschafteten vier Schwestern das Gasthaus, von denen Philomena Widmann im Jahr 2006 im Alter von 91 Jahren starb. Michael Jakob-Widmann, dessen Eltern die Metzgerei Jakob in Gilching führten, stieg vor 18 Jahren in das Wirtshaus ein.

Der Gasthof mit dem Wirtsgarten gleich bei der Kirche St. Vitus ist bei vielen Gilchingern und Bewohnern umliegender Gemeinden beliebt. Mit seinen Sälen bietet er genügend Platz auch für große Familienfeiern. Die Kleinkunstbühne „Monis Brettl“ hat dort ihre Aufführungen, auch die Freiwillige Feuerwehr Gilching trifft sich zu ihren Versammlungen dort.

Noch keine Zukunftspläne für ehemalige Wirtsleute

Was Tina und Michael Jakob-Widmann nach ihrem Ausstieg machen wollen, „das lassen wir auf uns zukommen“. Sicher sei, künftig mehr Zeit für die zwei Töchter im Alter von acht und elf Jahren zu haben. „Die freuen sich schon sehr darauf“, sagt Tina Jakob-Widmann. Insgesamt war das Wirtshaus 160 Jahre unter Leitung der Familie Widmann erfolgreich.

18 Jahre lang führten es Tina und Michael Jakob-Widmann. „Unser Haus war und ist ein Treffpunkt für einfache Leute als auch studierte und erfolgreiche Geschäftsleute. Und bei uns fühlen sich auch die Stammtische wohl“, sagt die 43-jährige Wirtin. Geöffnet ist noch bis zum 5. August, danach ist Betriebsurlaub angesagt. Philipp Do will für 29. August zur Wiedereröffnung einladen. Der Name lautet künftig „Gasthof zum oberen Wirt.“ Uli Singer

2024-06-22T07:31:15Z dg43tfdfdgfd